Entstehung und Entwicklung der Pfarre Waldzell

Eine erste Missionierung der Gegend speziell zwischen Hausruck und Kobernaußerwald und nördlich davon erfolgte wahrscheinlich durch Mönche des Benediktinerklosters Mondsee (Gründung der Pfarren Hohenzell und Eberschwang). Noch im Verlauf des 8. Jhs. begründete das Hochstift Passau eine regelmäßige Seelsorge in diesem Gebiet. Auch die Entstehung der Pfarren Mehrnbach und Schildorn fällt in diese Zeit. Die Martinskirche von Schildorn war somit anfangs auch die Pfarrkirche des Pfarrbereiches Waldzell.

Die Pfarre Waldzell wurde in der Zeit zwischen 1200 und 1300 von Zisterziensermönchen aus Aldersbach im bayerischen Vilstal gegründet. Das Stift Aldersbach hatte, wie oben erwähnt, gemeinsam mit anderen das Stift Passau in der Missionierung unseres Gebietes abgelöst. Als Patrozinium der Kirche wurde so wie für das Kloster Aldersbach das Fest Maria Himmelfahrt gewählt.

Eine genaue Zeitangabe der Pfarrgründung ist nicht mehr möglich. Aus verschiedenen Urkunden lässt sich jedoch schließen, dass sie im 13. Jh.vollzogen wurde:

  • Die erste urkundliche Nennung der Kirche von Waldzell ist uns aus dem 13. Jh. erhalten. In einer Urkunde des Stiftes St.  Nikola in Passau heißt es in einem Gültverzeichnis (Abgabenverzeichnis): "barrochia que dicitur celle" (Pfarre die Celle genannt wird).
  • In einer Urkunde von 07.03.1312 bestätigt ein gewisser Wernhart von Kirchsteig, den Zehent des Klosters St. Nikola am Kobernaußerwald und den Hof Schalchheim in der Pfarre Waldzell zu Leibgeding erhalten zu haben ("...Pharre datz Waltcelle...").
  • Der Zehent von "Waltcelle" erscheint im Register des Bischofs Albert von Passau vom Jahr 1322 als zum bischöflichen Kasten in Obernberg gehörig.
  • In einer Passauer Urkunde vom 24.02.1379 für das Stift Reichersberg wird Waldzell als Pfarre angeführt, Schildorn aber übergangen.

Die Pfarre Waldzell umfasste damals also auch den Pfarrbereich von Schildorn, dazu auch noch von Pramet und Lohnsburg. Die Aldersbacher Mönche gaben allerdings sehr bald die Seelsorge in Waldzell an einen anderen Rechtsnachfolger ab, wahrscheinlich an die Weltpriester des Hochstiftes Passau. Bereits 1379 ist Waldzell bischöflich - passauische Pfarre (laut oben genannter Urkunde). Die Güter in und um Waldzell blieben aber bis 1749 Eigentum des Klosters Aldersbach. In einem Visitationsbericht von 1558 wird erwähnt, dass Waldzell weltpriesterlich betreut wurde. Der Klerus besorgte zu dieser Zeit zum Großteil auch den Schuldienst. Aus dem Visitationsbericht lässt sich schließen, dass in Waldzell zwar nicht um 1558, jedoch in früheren Jahren eine solche Pfarrschule existierte, und zwar in der vorherrschenden Gattung einer Lateinschule.

Um das Jahr 1626 dürfte die Pfarre Waldzell dem Chorherrenstift Suben inkorporiert worden sein. Der Hauptgrund dafür wird wahrscheinlich im damals herrschenden Priestermangel zu suchen sein. 1784 wurde im Zuge der josephinischen Pfarrreform, bei der unter anderem auch das Kloster Suben aufgehoben wurde, die anderen Pfarren von Waldzell abgetrennt und zu selbständigen Pfarren erhoben.

 

letzte Änderung am 16.04.2024 10:33:50